Ich hatte diesen Text Ende 2025 zum Einstieg in Meshcore verfasst. Meine Hauptadressaten waren eigentlich Menschen, die ich mit Mescore versorgte und denen ich nicht jedes Mal das Gleiche erzählen wollte. Inszwischen gibt es Unmengen an guten, grafisch besser aufbereiteten Einstiegstexten und viele Erklärvideos zu Meshcore. Ich bin ein Textmensch, ich lese lieber Text als ein Video anzugucken, weil ich mit einem Text co-konstruieren und eine Art Parallelentwicklung durchführen kann. Und ich überlege, welchen Sinn dieser Text jetzt noch hat. Inzwischen pflege ich ihn auch für mich selber, um jederzeit die Links auf wichtige Informationsquellen zur Hand zu haben. Nach wie vor möchte ich aber auch, dass mehr Menschen Meshcore entdecken.
Trotz der Nebengeräusche können mit Meshcore Textnachrichten über viele Kilometer versendet werden. Der Umfang der Nachrichten reicht für die Kommunikationsbedarfe in einem Stadteil oder einem Dorf. Meshcore braucht nur geringe Mengen an Strom, was einen langen autarken Betrieb mit kleinen Batterien bzw. Akkus ermöglicht, die Geräte werden typischerweise an 5-Volt-USB-Netzteilen betrieben. Wenn durch Repeater die Nachrichten weitergetragen werden, dann eignet sich Meshcore sogar für regionale Kommunikation. Und zwar genau dann, wenn es wirklich drauf ankommt, dass man sich kurz miteinander besprechen muss. Also bspw. im Katastrophenfall eines Blackout, unabhängig von öffentlicher Stromversorgung, dem Handynetz und Internet. Obendrein sind Meshcore-Nachrichten verschlüsselt, so dass nur Anfang und Ende, also Sender und Empfänger diese lesen können.
Wegen des geringen Stromverbrauchs lassen sie sich gut irgendwo ins Haus oder die Wohnung im Dauerbetrieb hinstellen. Die Betriebskosten liegen, auch mit viel Senden, bei maximal 5 Euro im Jahr. Gerät aufbauen, im Dauerbetrieb anlassen, testen, ordentlich hinstellen und vergessen, man ist anschließend wie mit jedem anderen Messenger jederzeit erreichbar. Bei meinen Familienangehörigen in der Stadt steht das Teil in einem kleinen Vorratsraum, auf einem Bord über der Waschmaschine, mit getestet ausreichendem Kontakt zum nächsten Repeater, der auf einem Hochhausdach in ca. 1,5 km Entfernung lauert. Im Krisenfalle würde das Funkgerät ins Fenster gestellt werden, besser ausgerichtet zum Repeater. Denn im Krisenfalle ist damit zu rechnen, dass nicht nur das Handynetz zusammenbricht, auch das Meshcore-Netz könnte stark beansprucht werden, das eigene Signal sollte deshalb möglichst stark sein. In solchen Situationen ist es ein Gebot des Anstands, Netzinfrastrukturen effizient und nicht fürs Plaudern zu nutzen oder permanent zu testen, ob man sich noch erreichen kann. Wenn man als einer der wenigen Menschen Meshcore installiert hat und es funktioniert, sollte man es im Krisenfall auch benutzen.
Lora-Funkgerät und PC mit einem USB-C-Kabel verbinden und das Funkgerät in den DFU-Modus versetzen. Dieser DFU-Modus ist bei jedem Lora-Funkgerät anders einzustellen, das muss man der Dokumentation zu seinem Gerät entnehmen. Oder man fragt eine KI. Das Versetzen in den DFU-Modus am Beispiel des heltec-V3 und des Wio L1 erläutert:
heltec und PC verbinden, dann beim heltec "P" gedrückt halten, "C" kurz drücken, "P"-Drücken beenden.
Wio L1 und PC verbinden, dann zweimal schnell den Reset-Knopf drücken (seitlich, oben), die gelbe LED, die eben noch blinkte, leuchtet nun durchgehend.
Nun muss man in der Auflistung des Meshcore-WebFlashers zu derjenigen Zeile vorscrollen, in der das Funkgerät gelistet ist (siehe Abb. 14).
Nach Anklicken des zu installierenden Funkgeräts wird man gefragt, welchen Typ von Firmware bzw. welche Funktion man installieren möchte: "Companion", "Repeater" oder "Room Server" (siehe Abb. 15). Typischerweise möchte man das Funkgerät über die Handy-App, gekoppelt per Bluetooth nutzen, weshalb man dann "Companion Bluetooth" anklickt.
Nach Anklicken der Funktion erscheint das Fenster, mit dem das Flashen durchgeführt wird (siehe Abb. 16). Bevor man auf den Button "Flash!" klickt, drückt man "<> Enter DFU mode", darüber bekommt man eine Auswahl der seriellen Schnittstellen angezeigt, an denen das Funkgerät angeschlossen sein könnte. Hier muss man richtige Zeile auswählen, diese Zeile wird typischerweise entweder als erste oder als letzte Zeile in der Liste angezeigt und sticht allein aufgrund ihrer besonderen Länge ins Auge. Wenn der Button vorher ausgegraut war, ist der Button bei korrekter Verbindung nun weiss. Das Flashen kann losgehen.
Abb. 16: WebFlasher, "<> Enter DFU mode"
Nun kann man "Flash!" anklicken und damit das Betanken der Hardware starten (siehe Abb. 16). Es gibt außerdem die Option "Erase Flash". Die sollte man dann vor dem Flashen anklicken, wenn vorher eine ganzlich andere Firmware wie bspw. meshtastic auf dem Gerät installiert ist. Wenn man ein Update einer bereits zuvor installierten meshcore-Firmware anklickt, bleibt die Konfiguration der vorigen Version erhalten. Nach Abschluss des Kopiervorgangs der Software noch einen Moment warten, bis das Gerät aus dem Bootvorgang aufgewacht ist. Dann kann man seinen Connect-Versuch über die App starten und das Gerät konfigurieren. (Bei den Funkgeräten von Seeed wie dem Wio L1 pro gibt es eine Variante des Flashens, die noch bequemer ist: Sobald das Funkgerät in den DFU-Modus versetzt wurde, geht ein Fenster des Dateimanagers auf und man sieht die Programme, die auf dem Gerät gespeichert sind. Wenn man die neue Firmware vorher downloadet hatte (siehe Abb. 17 rechts unten) könnte man nun die neue Version mit dem Dateinamen-Ende ".uf2" einfach rüberkopieren! Nach Ende des Kopiervorgangs bootet das Gerät automatisch. Einfacher geht ein Update nicht.)
Auf der Karte den gewünschten Repeater in der Nähe antippen und anschließend die ersten beiden Zeichen des "Public Key" merken. Diese beiden Zeichen dienen als Namen der Repeater, sie lassen sich für die Pfadliste von trace nutzen. Jeden Abend mache ich einmal kurz den Test, ob "meine" Repeater in den drei Nachbarstädten erreichbar sind. Ich gebe dafür die ersten beiden Zeichen des "Public Keys" eines Repeaters für den Hin- und den Rückweg ein. Konkret: Von meinem Hausrepeater "9b" ausgehend gebe ich den für mich wichtigsten Repeater in Kiel an ("18"), die Kette lautet insgesamt "9b,18,9b". Oder wenn ich einen Nutzer, vergraben zwischen den Häuserwänden in der Gartenstraße in Kiel, dessen Repeater dort ein "b9" hat, erreichen möchte, teste ich den Pfad bis zur Gartenstraße mit "9b,18,56,b9,56,18,9b". Man muss damit rechnen, dass ein solch langer Trace über hin und zurück 7 hops nicht heil durchkommt, mehrere trace-Versuche können nötig sein. Damit solch ein Versuch gelingt, muss jeder der beteiligten Repeater darauf warten, einzig und allein meinen Trace bedienen zu dürfen. Bei den wichtigen Repeaters einer Stadt ist das unwahrscheinlich, dass sie unterbeschäftigt sind. Wenn man weiss, wie gering die Sendeleistung ist, dass die Sendezeiten in diesem Funkstandard zeitlich beschränkt sind, dass ingesamt eine Luftlinie-Entfernung von 22km besteht und der Empfang zwischen Häuserschluchten funktechnisch sowieso immer ein Problem darstellt, und dass die Zahl an Meshcore-Nutzer*innen, die die wenigen lauten Repeater einer Stadt nutzen, zunimmt, dann ist diese leicht erratische Antwortverhalten zu verschmerzen. Es gilt aber auch: Eine Nachricht nur einmal zu einem Empfänger in die Gartenstraße hin zu transportieren bedeutet, dass nur die Hälfte der Kette für den Moment des Hintransports halten muss, was die Wahrscheinlichkeit der Ankunft einer Nachricht schon mal verbessert. Und zugleich lernt man bei ernsthafter Anwendung, dass eine gelingende Kommunkation, vom Sender initiiert, drauf angewiesen ist, dass ein Text wie "ok empfangen" vom Empfänger zurückgeschickt wird.
Abb. 19: Konfiguration von 4 Geräten Weihnachtsgeschenke für Freunde
Wenn man mit der Zeit die funktionierenden Standard-Pfade zu seinen Kommunikationspartnern kennt, dann sollte man sie in diesen 2-Buchstaben-Notationssequenzen in den Nutzer-Einträgen unter Contacts so auch eintragen. Man muss aber aufpassen: Wenn man an "Settings" unter "Messing Settings" die Option "Auto Reset Path" ein Häkchen setzt, dann werden die von Hand gesetzten Pfadangaben in den Fällen überschrieben, in denen die Zustellung einer Nachricht 5 Mal fehlschlug und durch Flooding ersetzt. Flooding ist flexibel, aber es werden dann nur 3 Versuche der Zustellung einer Nachricht gemacht. Ich habe das Häkchen hier nicht gesetzt, denn bei "heiklen Langstrecken" habe ich beobachtet, dass von Hand gesetzte Pfade und 5 Versuche zu besseren Erfolgen bei der Zustellung führen als Flooding. In einer unbekannten Umgebung ist flooding zu nutzen sinnvoller.
Unter "Settings/Notification Settings" kann man einstellen, ob man vom Handy im Falle neuer Meshcore-Nachrichten benachrichtigt werden möchte. Klar, beim Eintreffen von Nachrichten an mich will ich das, so wie bei anderen Messengern auf meinem Handy auch. Allerdings sollte man überlegen, ob man auch bei jeder Channel-Nachricht benachrichtigt werden möchte, was bei "Public"-Nachrichten im städtischen Umfeld meist nur am Beginn der Beschäftigung mit Meshcore interessant ist. Bei ernsthafter Nutzung von Meshcore tatsächlich anhaltend interessant können Nachrichten sein, die in "rooms" (Mailboxen) hinterlegt werden, in denen man selbst eine Nachricht hinterlegt hat.
Ich gucke auch gern mal in die Logdaten, in denen mitgeschrieben wird, was in meinem Funkgerät alles passiert, was einem aber nicht angezeigt wird. Mit dem Verlassen der App werden diese Logdaten gelöscht. Man kann in diesen Logdaten bspw. erkennen, über welche Repeater Nachrichten weitergeleitet wurden (Logdaten: Drei Punkte rechts oben antippen, dann "Tools", dann "Rx Log"). Meshcore-Nachrichten verlieren mit jedem Weiterreichen an Qualität, die wesentliche Qualität eines Funksignals ist der Signal-Rauschabstand, SNR, wobei ein SNR von 0 bedeutet, dass das Signal und das Rauschen etwa gleich deutlich sind. Signale dürfen so zwischen -13dB und +13dB liegen, bei den traces werden diese Messwerte ausgegeben. Die maximale Hop-Zahl ist auf 64 limitiert. Selbst wenn jede einzelne Hop-Verbindung sehr gut ist (z.B. 10 dB oder besser), steigen mit jedem Hop Verzögerung und Kollisionswahrscheinlichkeit im Funkkanal. Dazu kommen typischerweise Beschränkungen, die die Sendezeit der Repeater begrenzen und lange Ketten unattraktiv machen. Ziel ist es, den Frequenzkanal für alle Nutzer freizuhalten und Kollisionen zu vermeiden. Wenn man dieses Hintergrundwissen hat, versteht man, dass man sich in den Chats möglichst kurz fassen sollte.