Ich habe diesen Text zum Einstieg in Meshcore verfasst, wie ich ihn als Meshcore-Neuling, der im Internet nach einer Einführung fahndet und dem die Technik dahinter erst einmal egal ist, gern gelesen hätte. Wenn Dir der Text nützlich war, um den Einstieg zu meistern, und Du anschließend selbst über Meshcore schreibst, dann setze doch bitte einen Link auf diese Seite. Mail mir gern Verbesserungen dieses Textes zu.
Das Tolle an Meshcore ist, dass man Nachrichten über viele Kilometer austauschen kann; unabhängig von Stromversorgung, Handynetz und Internet, in einem Stadteil, in einem Dorf, unter Verwandten und Freunden. Es braucht nur wenig Strom und funktioniert im lokalen Umfeld, wenn es wirklich mal drauf ankommt, dass man sich kurz miteinander besprechen kann. Also bspw. im Katastrophenfall.
Auf der Karte den gewünschten Repeater antippen und anschließend die ersten beiden Zeichen des "Public Key" merken. Diese beiden Zeichen lassen sich für diese Pfadliste von trace nutzen. Jeden Abend mache ich einmal kurz den Test, ob "meine" Repeater in den drei Nachbarstädten erreichbar sind. Ich gebe dafür die ersten beiden Zeichen des "Public Keys" eines Repeaters für den Hin- und den Rückweg ein. Konkret: Von meinem Hausrepeater "b9" ausgehend gebe ich den für mich wichtigsten Repeater in Kiel an ("18"), die Kette lautet insgesamt "b9, 18, b9". Oder wenn ich einen Nutzer, vergraben zwischen den Häuserwänden in der Gartenstraße in Kiel, dessen Repeater dort ein "9b" hat, erreichen möchte, teste ich den Pfad bis zur Gartenstraße mit "b9, 18, 56, 9b, 56, 18, b9". Man muss damit rechnen, dass ein solch langer Trace über hin und zurück 7 hops nicht heil durchkommt, mehrere trace-Versuche können nötig sein. Damit solch ein Versuch gelingt, muss jeder der beteiligten Repeater darauf warten, einzig und allein meinen Trace transportieren zu dürfen. Bei wichtigen Repeatern einer Stadt ist das unwahrscheinlich, dass er so unterbeschäftigt ist. Wenn man weiss, wie gering die Sendeleistung ist, dass die Sendezeiten in diesem Funkstandard zeitlich beschränkt sind, dass ingesamt eine Luftlinie-Entfernung von 22km besteht und der Empfang zwischen Häuserschluchten funktechnisch sowieso immer ein Problem darstellt, und dass die Zahl an Meshcore-Nutzer*innen, die die wenigen lauten Repeater einer Stadt nutzen, zunimmt, dann ist diese Holperigkeit zu verschmerzen. Es gilt aber auch: Eine Nachricht nur einmal zu einem Empfänger in die Gartenstraße hin zu transportieren bedeutet, dass ungefähr nur die Hälfte der Kette für den Moment des Hintransports halten muss, was die Wahrscheinlichkeit der Ankunft einer Nachricht schon mal verbessert. Und zugleich lernt man bei ernsthafter Anwendung, dass eine gelingende Kommunkation, vom Sender initiiert, drauf angewiesen ist, dass ein "ok, hab empfangen" vom Empfänger zurück geschickt werden kann.
Abb. 15: Konfiguration von 4 Geräten Weihnachtsgeschenke für Freunde
Wenn man mit der Zeit die funktionierenden Standard-Pfade zu seinen Kommunikationspartnern kennt, dann sollte man sie in diesen 2-Buchstaben-Notationssequenzen in den Nutzer-Einträgen unter Contacts so auch eintragen. Allerdings gibt es in "Settings" unter "Messing Settings" die Option "Auto Reset Path". Wenn man dort ein Häkchen stzt, dann werden diese von Hand gesetzten Pfadangaben in den Fällen überschrieben, in denen die Zustellung einer Nachricht 5 Mal fehlschlug und durch Flooding ersetzt. Flooding ist flexibel, aber es werden dann nur 3 Versuche der Zustellung einer Nachricht gemacht. Ich habe das Häkchen hier nicht gesetzt, denn bei "heiklen Langstrecken" habe ich beobachtet, dass von Hand gesetzte Pfade und 5 Versuche zu besseren Erfolgen bei der Zustellung führen als Flooding.
Unter "Settings/Notification Settings" kann man einstellen, ob man vom Handy im Falle neuer Meshcore-Nachrichten benachrichtigt werden möchte. Klar, beim Eintreffen von Nachrichten an mich als Nutzer*in will ich das in der Regel, so wie bei anderen Messengern auch. Allerdings sollte man überlegen, ob man auch bei jeder Channel-Nachricht benachrichtigt werden möchte, was bei "Public"-Nachrichten im städtischen Umfeld meist nur am Beginn der Beschäftigung interessant ist. Bei ernsthafter Nutzung von Meshcore tatsächlich anhaltend interessant können Nachrichten sein, die in "rooms" (Mailboxen) hinterlegt werden, in denen man selbst beretis eine Nachricht hinterlegt hat. (Die Nutzung von Mailboxen leuchtet mir ansonsten in der gegenwärtigen Umsetzung wie schon gesagt nicht so richtig ein; offenbar darf darin jede/r Nutzer*in Nachrichten beliebiger anderer Nutzer*innen voraussetzungslos löschen, was irgendwie nicht sein sollte. Es gilt, die Entwicklung der Mailbox-Option im Blick zu behalten.)
Ich gucke gern mal in die Logdaten, in denen mitgeschrieben wird, was in meinem Funkgerät alles passiert, was einem nicht angezeigt wird. Vorsicht: Verlässt man die App, werden diese Logdaten gelöscht. Man kann in diesen Logdaten bspw. erkennen, über welche Repeater Nachrichten weitergeleitet wurden (Logdaten: Drei Punkte rechts oben antippen, dann "Tools", dann "Rx Log"). Meshcore-Nachrichten verlieren mit jedem Weiterreichen an Qualität, die wesentliche Qualität eines Funksignals ist der Signal-Rauschabstand, SNR, wobei ein SNR von 0 bedeutet, dass das Signal und das Rauschen etwa gleich deutlich sind. Signale dürfen so zwischen -13dB und +13dB liegen, um in Texte verwandelt werden zu können. Bei den traces werden diese Messwerte ausgegeben.
Zuletzt noch ein Plädoyer für den Betrieb eines gut erreichbaren Repeaters. Wenn man bereit ist, ca. 150€ auszugeben und über einen guten Standort verfügt - d.h.: je höher und unverstellter, desto besser - dann könnte man bspw. den "Seeed Studio SenseCAP Solar Node P1-Pro" installieren und als Repeater betreiben, der Dank eines kleinen Photovoltaik-Panel und 4 Akkus vom Typ 18650 (mit Polspitze!) autark funktioniert. Ab und an etwas Fernwartung, das war es an Versorgung und Pflege für einen Repeater. Oder man vergisst ihn einfach; dezent montiert auf einem Hochstand für Jäger*innen am Feldesrand in funkstrategisch hervorragender Lage einer Anhöhe mit weitem Blick übers Land. Man kann generell durchaus die Billigversion des P1 ohne GPS nehmen; wenn man bei lokalem Betrieb die Positionsdaten des Repeaters einmal von Hand einträgt. Bis zu dieser Ausbaustufe bekommt man das Ensemble auch schon für unter 100€, mit einer kleinen Antenne. Wenn man eine stabilere Antenne montieren möchte, kämen noch mal rund 50 Euro dazu.
Es gäbe noch einiges mehr anzusprechen. Stattdessen zu dem "Konkurrenzprojekt" Meshtastic noch ein Wort: Ich war mit Meshtastic, nach einem Artikel in der Septemberausgabe der CT 2025, gestartet. Die Anfänge waren vielversprechend, Nutzergeräte die zugleich Repeater sind, fand ich konzeptionell pfiffig. Allerdings war es über einige Wochen nicht möglich, einen mir wichtigen Nachrichtentransport umzusetzen, was nach einem Test mit Meshcore zwar nicht auf Anhieb, aber etwas später gelang. Inzwischen denke ich, dass im Zweifel Ruhe (= nur begrenzte Zahl von Repeatern, meshcore) mehr Resilienz verspricht als Lautstärke (möglichst viele Repeater, meshtastic). Das ist keine Glaubenssache, sondern lässt sich beforschen, nur habe ich noch keine Studie dazu gefunden. Es ist jedenfalls sehr gut möglich dass ich mich irre, einige Diskussionen dazu lassen Skaleneffekte vermuten. Es können beide Netze gut nebeneinander bestehen, was wiederum die Resilienz der von Bürger*innen selbst organisierten Netzinfrastrukturen insgesamt steigert, geht die eine kaputt, gibt es noch die andere.
Fazit: Es handelt sich bei Meshcore, den Funkgeräten und der App, nicht um ein Consumer-Produkt; man muss sich damit, wenn es verlässlich funktionieren soll, schon ein wenig beschäftigen. Aber ein (Lora-)Nerd muss man dafür nicht mehr sein.