Meshcore nutzen - Kommunikation auch bei Dunkelheit und Kälte

21.01.2026, Version: 0.9d
https://www.maroki.de/pub/technik/mc_nutzen.html


Ich habe diesen Text zum Einstieg in Meshcore verfasst, wie ich ihn als Meshcore-Neuling, der im Internet nach einer Einführung fahndet und dem die Technik dahinter erst einmal egal ist, gern gelesen hätte. Wenn Dir der Text nützlich war, um den Einstieg zu meistern, und Du anschließend selbst über Meshcore schreibst, dann setze doch bitte einen Link auf diese Seite. Mail mir gern Verbesserungen dieses Textes zu.

Gliederung

Was ist Meshcore?

Meshcore bezeichnet einen Standard, mit dem man Nachrichten im SMS-Format verschicken kann. Über kleine Funkgeräte. Man besorgt sich ein kleines Funkgerät, installiert eine App auf dem Handy, verbindet Handy und Funkgerät per Bluetooth und legt mit der App los.

Die Funkgeräte funken auf 868MHz was für jede und jeden kostenlos erlaubt ist. Dieser Frequenzbereich ist ein Teil der ISM-Bänder (Industrial, Scientific and Medical Band) und wird für Funkanwendungen mit geringer Reichweite verwendet (wie bspw. SmartHome, Alarmanlagen, Sensoren, Garagentorsteuerungen). Auf diesen Frequenzen muss man deshalb grundsätzlich mit Störungen rechnen.


Abb. 1: Meshcore-Repeater in Deutschland (Stand: Mitte
Dezember 2025,
https://meshcore.co.uk/map.html)

Das Tolle an Meshcore ist, dass man Nachrichten über viele Kilometer austauschen kann; unabhängig von Stromversorgung, Handynetz und Internet, in einem Stadteil, in einem Dorf, unter Verwandten und Freunden. Es braucht nur wenig Strom und funktioniert im lokalen Umfeld, wenn es wirklich mal drauf ankommt, dass man sich kurz miteinander besprechen kann. Also bspw. im Katastrophenfall.

Ein Meshcore-Funkgerät kostet in einer einfachen Variante, wie bspw. dem "Heltec-V3" - seit einigen Wochen gibt es "V4", was die Restbestände der "V3" leider nicht billiger gemacht hat, dafür ist vermutlich die Nachfrage nach diesen Dingern weltweit zu hoch -, zwischen 15 und 20 Euro, mit einer Stromversorgung aus einem 5V-USB-Netzteil, wie es typisch für das Handyladen genutzt wird. Mit einem Akku ausgestattet kostet ein Heltec 10 Euro mehr. Statt eines Akkus nutze ich bei Stromausfall eine Powerbank, mit einer 10.000er Powerbank würde das Funkgerät wahrscheinlich einen Monat lang Tag und Nacht funktionieren. Mit dem heltec gelingt der Billig-Einstieg in meshcore. Ein zierlich-flaches Gerät wie das Sensecap T1000-E, das man bei einem Spaziergang in der Hosentasche bei sich tragen kann, kostet um die 50 Euro und funktioniert, dank eingebautem kleinen 700mAh-Akku, im Dauerbetrieb ca. 48 Stunden. Ein kompaktes Funkgerät, mit 2000mAh-Akku und externem Antennenanschluss, wie bspw. das "Wio L1 pro", das ich bei einem ernsthaften Einstieg zu kaufenempfehle, läuft doppelt so lange und kostet zwischen 50 und 70 Euro.


Abb. 2: Typische Meshcore-Funkgeräte
heltec-V3, T1000-E, Wio L1

Steigen wir nun ein, wie sich diese Funkgeräte über ein Handy (oder über ein Android-Tablet) nutzen lassen.

Die Meshcore-Funkgeräte lassen sich in zwei Rollen einsetzen: Nutzer ("Compagnion") und Repeater. Nutzer sind genau das, Meshcore-Funkgeräte für Nutzer*innen. Ein Meshcore-Funkgerät nimmt über Bluetooth die Nachrichten der Meshcore-App entgegen und verschickt sie zumeist an den nächstgelegenen Meshcore-Repeater. Ein Repeater-Funkgerät empfängt solcher Nachrichten von Nutzer*innen und sendet sie weiter. Vielfach werden Nachrichten von Repeater zu Repeater an die nächste Nutzer*in weiter gereicht, das erhöht die Reichweite für Nachrichten natürlich enorm.

Jede/r Nutzer*in kann sich berufen fühlen, einen Repeater zu betreiben. Das machen viele Nutzer*innen nach einiger Zeit, um die Reichweite bis zum nächsten Repeater zu verbessern. In diesen Fällen befindet sich ein Funkgerät in der Wohnung oder im Haus und ein zweites Funkgerät läuft als Repeater möglichst hoch unter dem Dach aufgestellt. Ein zusätzlicher Repeater kostet wenig, kann auch von den Nachbarn genutzt genutzt werden und es erzeugt keine nennenswerte zusätzliche Strahlenbelastung. Die Strahlungsenergie beim Senden von 100 mWatt für nur wenige Sekunden Sendebetrieb ist ein vernachlässigbar kleiner Bruchteil bspw. der Belastung durch ein Handy oder WLAN-Router. Zum Vergleich: Die funzelige Beleuchtung eines Fahrrads braucht bspw. 2000 mWatt. Ich sage das deshalb, weil man manchmal skeptische Menschen, die bspw. einen Zugang zu interessanten Repeater-Standorten wie einem hohen Kirchturm haben, von der Ungefährlichkeit dieser Geräte überzeugen muss. Ich betreibe für mein Dorf einen solchen Repeater am Antennenmast meiner Satellitenschüssel, in etwa 10m Höhe. Dieser Repeater ist ganz leise aber gerade noch ausreichend in drei benachbarten Städten zu hören. Mit einem guten Standort in der Stadt (Wohnung im oberen Stockwerk) und jeweils einem Repeater in der Nähe, werden in meinem Fall Nachrichten über eine Kette von 2 Repeatern über eine Länge von ca. 25km ausreichend verlässlich transportiert. Ich halte auf diese Weise gesicherten Kontakt in die Stadt zu Freunden und Familienangehörigen. Diese Kette wird hoffentlich auch dann halten, wenn es wirklich mal drauf ankommt. (Wir Repeater-Betreiber in meinem Umfeld versuchen untereinander Kontakt zu halten. Es gibt trotz reinen Privatengagements einen gewissen Ehrenkondex, den Betrieb unbedingt aufrecht zu erhalten.)


Abb. 3: Überreichweite, die Karte
zeigt Stationen, die nahe Kiel über
Tag empfangen wurden.

Damit man Nachrichten tauschen kann, muss so ein Meshcore-Funkgerät angeschaltet sein. Wenn das Funkgerät nicht in Betrieb ist, wird eine abgeschickte Nachricht also nicht empfangen. Wenn eine Nachricht nicht zugestellt werden kann, wird das dem Sender selbstverständlich auch mitgeteilt. Die Meshcore-Funkgeräte sind moderne Technikwunder, sie schaffen hohe Reichweiten mit ganz geringen Sendeleistungen und entsprechend geringem Stromverbrauch. Deshalb kann man solch ein Funkgerät an einem kleinen USB-Netzteil irgendwo ins Haus oder die Wohnung hinstellen, auch dann, wenn es absehbar vielleicht nur selten genutzt wird. Die Betriebskosten liegen im Dauerbetrieb bei höchstens 5 Euro im Jahr. Wenn man das Gerät nur im Krisenfall vielleicht für ein paar Tage nutzt, lässt sich nicht ernsthaft von Kosten sprechen. Ideal wäre: Aufbauen, anschalten, testen, vergessen, man ist wie mit den Messenger über Internet jederzeit erreichbar. Bei meinen Familienangehörigen steht das Teil in derem kleinen Vorratsraum, auf einem Bord über der Waschmaschine, mit getestet ausreichendem Kontakt zum nächsten Repeater, der auf einem Hochhausdach in ca. 1,5 km Entfernung lauert. Wenn es drauf ankäme, dass die Verbindung zustandekommt, würden sie ihn besser zum Repeater ins Fenster platzieren.

Es gibt inzwischen viele Webseiten mit Einführungen zu Meshcore. Weil es sich um eine relativ junge Entwicklung handelt - der Standard wird als Open Source entwickelt, die App für Android ist dagegen nicht Open Source -, sind diese Einführungen recht techniklastig; die Pioniere unterrichten sich gegenseitig darüber, wie diese Funkgeräte grundsätzlich funktionieren, wie man sie unter verschiedenen Bedingungen ingangsetzt und konfigurieren kann.

Die Meshcore-App

Nachfolgend zeige ich die wesentlichen Funktionen der App.


Abb. 4: Oberfläche der Meshcore-App nach dem ersten Öffnen

Nachdem die Meshcore-App installiert ist, kann man per Bluetooth Kontakt zum Funkgerät aufnehmen. Also: Handy in die Hand, Bluetooth an, App starten, es wird einem auf dem Handy das Funkgerät angezeigt. Bei der allerersten Kontaktaufnahme muss der Bluetooth-Code, den das Funkgerät zur Authentifizierung verlangt, einmal eingegeben werden. Dieser Code lautete bei den meisten meiner Meshcore-Funkgeräte "123456". Bei den erst vor Kurzem bei mir frisch eingetroffenen Geräten, die ich Freunden zu Weihnachten schenkte, waren die Pins Zufallszahlen, die angezeigt wurden. Nach der Ersteingabe wird bei den weiteren Nutzungen der App keine Code-Angabe mehr verlangt, die Geräte verbinden sich ohne weitere Nachfrage.

Das Gerät muss vor der ersten Nutzung konfiguriert werden. Man muss die Frequenz und Format einstellen, mit dem es funken soll. Dazu tippt man in der oberen Reihe rechts das Zahnrad an, danach im neuen Fenster, etwa in der Mitte des Fensters angeordnet, "Choose Preset". Es hat sich in den letzten Wochen in Deutschland unter den Repeater-Betreibern das Format "UK/EU (narrow)" als Standard-Format herausgebildet.

Das war es. Alle anderen Einstellungen des Geräts kann man so belassen wie voreingestellt. Mit zunehmendem Verständnis möchte man einige Einstellungen ändern bzw. diese an die eigene Situation besser anpassen, wie bspw. die Angabe des Standorts, ob er überhaupt und wenn ja, wie präzise angezeigt werden soll.

So, und nun will man als Neuling zunächst eigentlich nur erkennen, ob man die Repeater oder die Funkgeräte anderer Nutzer, die übrigens als "Compagnions" bezeichnet werden, empfängt und ob das eigene Funkgerät überhaupt funktioniert. Dazu kann man nun einfach mal ne Runde abwarten, ob was passiert.

Abwarten kann heissen: Die App auf dem Handy beenden, aber das Funkgerät weiter laufen zu lassen und in ein paar Stunden die App im Handy erneut laden, dann ins Funkgerät einloggen und nachschauen, ob sich zwischenzeitlich was getan hat. Zumindest wenn man sich nicht ganz allein fernab der Zivilisation und in einer Wüste befindet, findet man nun ein paar Stationen in der Contacts-Liste; und ein paar Zeilen im Public-Channel. Man kann vor dem Beenden der Meshcore-App und dem Abwarten jedoch einen so genannten "Advert" (übersetzt: "Bekanntmachung") abschicken. Dazu klickt man oben auf das 3. Symbole von Rechts, auf den doppelt eingeklammerten Punkt und im sich anschließend öffnenden Fenster auf die Option "Advert - Flood Routed". Nach Antippen werden alle Repeater in Deiner Nachbarschaft, auch benachbarte Repeater der Repeater, über die neue Existenz Deines Funkgeräts in Kenntnis gesetzt. Dieses überfallartige Verschicken von ungerichteten Nachrichten über viele Repeater hinweg wird Fluten ("Flood") genannt. Dieses Fluten ist eine charakteristische Eigenschaften sogenannter Meshnetze; Meshnetze organisieren sich auf diese Weise selber, es muss keine steuernde Verwaltungsinstanz geben, die die verschiedenen Rollen und Funktionen zuweist. Sowohl Adverts als auch Nachrichten werden bei Meshcore vielfach im Flood-Modus verschickt, es sei denn, die Nutzer geben den Pfad bis zum Empfänger der Nachricht explizit an. Repeater kennen nach kurzer Zeit die Pfade zu ihren bachbarten Funkgeräten und über die Repeater hinweg zwischen Absender und Empfänger und merken sich diese, dadurch können sie Nachrichten gezielt zustellen.

Die Regel für das Auslösen von Adverts durch Nutzer*innen lautet: Wenn ein neuer Standort des Funkgeräts eingenommen wird, dann einmal(!) einen Advert am Tag abschicken. Einmal am Tag, reicht; oder auch nur einmal in der Woche, in ruhigen Umgebungen, in denen nur selten neue Geräte hinzukommen. Sinnlos ist es jedoch, alle 10 Minuten einen Advert zu scicken. Eine vernehmbare Reaktion bekommst Du auf einen Advert zunächst nicht. Repeater verschicken solche Adverts regelmäßig. Wenn Dein Gerät entsprechend konfiguriert ist, werden Dir die Funkgeräte, die Adverts geschickt haben, automatisch in der Contacts-Liste angezeigt. Wenn die Betreiber eines Repeaters neu im Geschäft sind, dann konfigurieren sie sie gern so, dass sie einen Advert pro Stunde verschicken, in kürzeren Abständen geht es auch nicht. Wenn Repeater bekannt sind, dann reicht ein advert am Tag. Etablierte Repeater müssen nicht ständig auf sich aufmerksam machen, sie sind im Netz bekannt. Mein Dorf-Repeater schickt einen Advert einmal am Tag. Damit Kommunikation gelingen kann braucht es... [Tiefsinnan] vor allem Ruhe ... und ... Zuhören [/Tiefsinnaus]. Gerade am Anfang ist es jedoch schön, wenn man sieht, dass sich irgendwas im Netz tut, man drückt und tut und sendet... Geh mal davon aus, dass alles mit Deinem Gerät okay ist, Dein Gerät funktioniert ganz bestimmt, und es wird Repeater in Deiner Nähe geben, hab Geduld. Wenn man vermutet, dass man in seiner Gegend doch noch ganz allein hockt, kauft man sich halt zwei Geräte und fängt an damit zu spielen. So war mein Einstieg, der typisch ist, wenn man auf dem land mit dünner Besiedlung wohnt. Der Durchbruch kam dann in der benachbarten Stadt, in der bereits eine Repeater-Infrastruktur etabliert war.


Abb. 5: "Contacts", die Liste mit Kontakten

Und wie kommuniziert man nun mit dem Gerät?

Für Kommunikationen kann man sich fortan auf die untere Reihe der App konzentrieren.

Unten ganz rechts kann man map antippen und dadurch eine Karte aufrufen, in die die Standorte der Stationen, die in der Contacts-Liste aufgeführt sind, automatisch eingetragen werden. Das ist natürlich sehr komfortabel, um die Reichweite für eigene Nachrichten abschätzen zu können. Beim ersten Aufruf der Karte wirst Du vermutlich noch keine Station sehen, das wird sich aber ändern.

Dann folgt in der Mitte "Channels" und links "Contacts", zunächst zu Contacts.

Unter Contacts werden alle Repeater und alle Funkgeräte, die man empfangen hat, aufgelistet. Es werden in der linken Spalte drei Typen von Symbolen gezeigt: Repeater, Nutzer und "Rooms". Rooms sind Mailboxen ("BBS - Bulletin Borad System", früher: "Mailboxen"), die theoretisch sinnvoll, in der gegenwärtigen Umsetzung aus meiner Sicht aber noch nicht sonderlich nützlich sind, weshalb ich dazu nichts weiter ausführe. Wenn zusätzlich ein orangener Stern am Symbol befestigt ist, handelt es sich um einen Repeater, den ich in meiner App meiner Favoritenliste zugefügt habe, weil ich der Übersicht wegen nur Favoriten angezeogt bekommen möchte und nicht alle möglichen Stationen von irgendwo.


Abb. 6:
Die drei Typen
von Kontakten

Klickt man auf einen Nutzer, dann öffnet sich ein Chatfenster, das genau so aussieht, wie man es von vielen Messenger-Apps kennt. Man schreibt eine "SMS" an diese*m Nutzer*in, und erhält nach ein paar Sekunden eine Nachricht zurück, sofern das Versenden und Empfangen über vielleicht mehrere Repeater ("hops") hinweg funktioniert hat. Nutzer werden in Contacts gelistet, nachdem sie einen advert geschickt oder nachdem sich die Nutzer über ihre Handy direkt miteinander bekannt gemacht haben, bspw. über QR-Codes. Das ist wichtig am Anfang, ich wiederhole es noch mal mit Nachdruck: Um Nachrichten tauschen zu können, müssen die Funkgeräte der Nutzer einander bekannt sein, also in beiden Contacts-Listen enthalten sein. Und das hat einen sehr guten Grund: In Meshcore werden alle Nachrichten verschlüsselt geschickt; Dritte die diese Nachrichten ebenfalls empfangen, können die Inhalte der Nachrichten nicht enschlüsseln bzw. verstehen. Dieses bereits Bekanntsein ist gleichbedeutend mit: Es wurden die beiden Verschlüsselungsschlüssel ("pub keys") ausgetauscht.

Damit man alle relevanten Kontakte zu Nutzer*innen zunächst einsammeln kann, um sich anschließend Nachrichten zuschicken zu können, sollte man im App-Fenster oben auf das Zahnrad tippen und dann unter "Contact Settings" bei der Option "Auto Add Contacts" ein Häkchen setzen. Allerdings werden, insbesondere wenn man in der Stadt wohnt, dann auch viele irrelevante Namen von Repeatern und Nutzer*innen auf die Contacts-Liste gesetzt. Wenn das der Fall ist lassen sich diese Einträge natürlich einfach löschen. Aber irgendwann ist die Contacts-Liste mit den relevanten Nutzer*innen und Repeatern gefüllt und dann interessiert es nicht mehr so wie am Anfang noch, wer in der Nachbarschaft auch noch meshcore benutzt und wo welche reichweitenstarken Repeater in den Mittelgebirgen stehen. Dann empfiehlt es sich, diesen Haken zu löschen. Allerdings: Es gilt beim nächsten gewünschten Neukontakt daran zu denken, dass dessen Adresse in der Contacts-Liste geführt wird.

Klickt man auf einen Repeater, werden einem die Eigenschaften des Repeaters angezeigt, u.a. seinen Namen, der Standort, wann man zuletzt von ihm gehört hat oder wie viele Hops er entfernt ist. Besonders interessant ist links oben die Option "Manage". Klickt man die an, kann man sich Zutritt zum Repeater verschaffen, um ihn fernzuwarten also zu konfigurieren. Wenn es der eigene Repeater ist, kann man ein Passwort eingeben, das man bei der Installation des Repeaters setzen musste. Man wartet 10 Sekunden und kann ihn dann über Funk konfigurieren. Das ist eine sehr gute Lösung, wie so viele bei meshcore, weil man Repeater möglichst hoch aufstellt, die dadurch oft schwer zugänglich sind.


Abb. 7: Channels, die Liste mit Kanälen,
zu Beginn gibt es nur den Kanal "Public",
der von allen Meshcore-Nutzer*innen
weltweit genutzt wird (keine Sorge, man
sieht nur die Nutzer*innen der näheren
Umgebung.)

Nun zu den Channels.

Klickt man zum ersten Mal auf Channels, öffnet sich ein Fenster, in dem ein Channel gezeigt wird nämlich "Public". Dieser Channel ist standardmäßig auf jedem Meshcore-Funkgerät vorinstalliert.

Public ist ein öffentlich zugänglicher Kanal für alle Meshcore-Nutzer*innen. Hier kann man bspw. mal ein "Hallo" eintippen und gucken ob was passiert. Weil am Anfang Nutzer vor allem an ihrer Reichweite interessiert sind, könnte man etwas sinnvoller ein "Hallo aus XXX, kann das jemand lesen?" verschicken. In der Hoffnung, dass sich jemand erbarmt, der sich an seine eigenen ersten tapsigen Schritte in meshcore erinnert und ein paar nette Worte zurück schreibt. In großen Städten kann hier sehr viel geplappert werden, in kleinen Dörfern kann dieser Kanal geeignet sein, um die gesamte Dorfkommunikation darüber abzuwickeln.


Abb. 8: Die Optionen unter den drei
Punkten rechts oben

Man kann private Kanäle einrichten, um mit einer einzigen Nachricht unterschiedliche Gruppen von Menschen exklusiv zu erreichen (Freunde, Nachbarn, Familie, Kolleg*innen). Neue Channels muss man einrichten. Zum Einrichten richtet man den Blick in der App wieder nach oben, und klickt dort ganz rechts auf die drei üereinander angeordneten Punkte. Es öffnet sich ein Fenster mit der Option "+ Add Channel", woraufhin sich ein weiteres Fenster öffnet, mit einer Auswahl an vier verschiedenen Typen von Channels (siehe Abb. 9).


Abb. 9: Kanal-Typen

Einen "Privat Channel" würde man typischerweise für vertrauliche Kommunikation einrichten, klar. Alle Nachrichten in Meshcore sind verschlüsselt, und in unterschiedlichen Kanälen wiederum auch unterschiedlich verschlüsselt. Das Konzept zur Einrichtung von Kanälen sieht deshalb wie folgt aus: Mit dem Einrichten eines Kanals wird ein Verschlüsselungsschlüssel erzeugt, wobei ein Schlüssel aus einem 128 Zeichen langen Buchstabensalat besteht. Alle Nutzer*innen, die über diesen gemeinsamen Buchstabensalat-Verschlüsselungsschlüssel verfügen, können den Kanal gemeinsam benutzen. Also muss man dafür sorgen, dass der Schlüssel an alle anderen Mitglieder der Gruppe gelangt. Jede/r kann dem Kanal dadurch "beitreten", indem sie die "Join a private Channel" antippen und in dem vorgesehen Feld den Schlüssel kopieren. Man kann diesen Schlüssel bspw. per E-Mail oder einem anderen Messenger verschicken bzw. erhalten. Oder man kann, wenn man irgendwann mal zusammensitzt, auch den QR-Code des Schlüssels einlesen. Ich habe das so gemacht, dass ich auf meinem Handy die Funkgeräte meiner Freunde eingerichtet hatte, dort den Schlüssel kopierte, aus dem ersten Funkgerät ausgeloggt, ins zweite Funkgerät eingeloggt, und nach "Join the private Channel" den Schlüssel dort in das vorgesehene Feld reinkopiert hatte. Das war es.


Abb. 10: Kanal-Namen vergeben
und den Schlüssel mit dem
Buchstabensalat bei
"Secret Key (hex)" eintragen

Mir ist aufgefallen, dass Nachrichten an einzelne Nutzer sicherer zugestellt werden als in einer Gruppe, in der auch dieser einzelne Nutzer enthalten war. Wenn ich eine Nachricht eigentlich nur an einen Nutzer oder eine Nutzerin schreiben möchte, dann schreibe ich diese deshalb direkt an, und nicht über die Gruppe. Außerdem setze ich bei Nutzer*innen, mit denen ich stabil chatte, die Pfade über die gesamte Repeaterkette hinweg von Hand, denn auch das macht den Nachrichtentransport ein klein wenig berechenbarer. Flooding wird gemieden und die mir heilige Ruhe im Netz auf nur einem geringen Level gestört.

Mit "# Join a Hashtag-Channel" wird bei Meshcore ein Problem gelöst, das zwischen privat und öffentlich liegt: Man möchte im Prinzip alle Nachbarn spontan erreichen können, die man gar nicht so richtig kennt, schon gar nicht mit Namen, und für die es einfach zu kompliziert wäre, einen gemeinsamen eigenen "Private Channel" einzurichten. Für mein Dorf habe ich deshalb "#Dorfname" eingerichtet. Die Folge: Alle Nutzer, deren Funkgeräte sich vorher schon einmal, bspw. aufgrund eines adverts, gehört hatten, können in diesem Channel schreiben und einander lesen. Das ist eine richtig gut funktionierende Lösung, die für die Durchdachtheit des gesamten Meshcore-Konzepts steht. Natürlich muss man wissen, welche #-Tags es in der Umgebung so gibt, man kann sie in Städten bzw. Stadtteilen einfach leicht erraten; man kann solch einen Kanal-Bezeichner natürlich auch über den Public Channel verschicken. Außerdem hat sich offenbar die Verwendung für "#ping" eingespielt, um Reaktionen von anderen Nutzer*innen, oder vielleicht auch bots?, zu erbitten.


Abb. 11: Settings, Einstiegsbildschirm
Dort können Name und GPS-Position
von Hand eingetragen werden.
Wichtig: "Choose Preset"!

Das war die wesentliche Konfiguration und Funktion eines Meshcore-Funkgeräts mit der zugehörigen Android-App, um loslegen zu können.

Zurück noch mal zur Grundkonfiguration der "Settings", dort lässt sich viel Interessantes einstellen. In die Grundkonfiguration gelangt man, wenn man oben auf das Zahnrad, zweites Symbol von rechts, tippt.

Scrollt man im Setting-Fenster ganz nach unten, findet sich die Option "Device Info". Nach Antippen wird man über die Auslastung des zur Verfügung gestellten Speichers des Funkgeräts informiert. Einige Funkgeräte bieten oft nur erstaunlich wenig Speicher für Daten. Wenn wie beim T1000-E nur 100kB zur Verfügung stehen, lassen sich nicht allzu viele Kontakte und Chatverläufe speichern.

Den "Namen", den das Funkgerät trägt und der im Netz angezeigt wird - und den man ganz zu Beginn der Settings bestimmen kann -, kann man jederzeit ändern. Ich habe bei inzwischen wohl mehreren Hundert Kontakten, die ich in Contacts gelesen habe, aber noch nie war "Vorname Nachname" darunter, obwohl das vom Konzept her naheläge: Ein Gerät = eine Nutzer*in. Funkamateure geben hier stattdessen bspw. gern ihr Rufzeichen an, andere verweisen auf ihre Webseite, einige wenige schreiben ihre Mailadresse hinein. Letzteres kann sinnvoll sein insbesondere in Gegenden mit wenig Funkverkehr. Dort besteht verstärkt die Neigung, Kontakt zu anderen Nutzer*innen zu suchen, damit man sich gegenseitig helfen kann, um das Repeater-Netz in seiner Umgebung aufzubauen.


Abb. 12: Radio Setting, das sich
als Standard in der EU festigt:
"EU/UK (Narrow)"

Etwas fortgeschrittenere Nutzung...

Meshcore und Meshtastic - Meshtastic ist ein anderer, aktuell sogar noch etwas verbreiteter Vernetzungsstandard mit dem gleich Typen an "Lora"-Funkgeräten - funktionieren naheliegenderweise nur dann wirklich gut, wenn ein Netz von Repeatern eine weiträumige Nutzung selbst bei schlechten Standorten der Nutzer*innen ermöglicht.


Abb. 13: Heltec-V3, wird typisch als
"Package" verschickt, was Kosten
spart. Die drei Teile
(Platine, Antenne, Gehäuse)
zusammenzusetzen ist trivial.

Ein sehr nützlicher Befehl, der auch bei mäßiger Nerdneigung für stundenlangen Spaß sorgen kann, ist "trace", der wie ein "ping" über mehrere Repeater hinweg funktioniert. Wenn man Reaktionen von Repeatern erhalten möchte, dann nutzt man "trace". Ein "advert" auszusenden oder einen "ping (zero)" auszulösen hilft wie gesagt nicht. Dazu die drei Punkte rechts oben antippen, dann "Tools", dann "Trace Path Manual". Danach kann man im Eingabefeld die Kette an Repeatern angeben, von denen man testen möchte, ob man sie erreicht, bspw. weil man weiss, dass eine wichtige Nutzerin über diesen Repeater erreichbar wäre. Beim ersten Mal die Meshcore-Map öffnen und dort nach einem Repeater Ausschau halten, von dem man annehmen kann, dass er vielleicht erreichbar ist. Dafür gibt es die Meshcore-Map (Sind Repeater in der Nähe? https://meshcore.co.uk/map.html) im Web.


Abb. 14: Sondertools

Auf der Karte den gewünschten Repeater antippen und anschließend die ersten beiden Zeichen des "Public Key" merken. Diese beiden Zeichen lassen sich für diese Pfadliste von trace nutzen. Jeden Abend mache ich einmal kurz den Test, ob "meine" Repeater in den drei Nachbarstädten erreichbar sind. Ich gebe dafür die ersten beiden Zeichen des "Public Keys" eines Repeaters für den Hin- und den Rückweg ein. Konkret: Von meinem Hausrepeater "b9" ausgehend gebe ich den für mich wichtigsten Repeater in Kiel an ("18"), die Kette lautet insgesamt "b9, 18, b9". Oder wenn ich einen Nutzer, vergraben zwischen den Häuserwänden in der Gartenstraße in Kiel, dessen Repeater dort ein "9b" hat, erreichen möchte, teste ich den Pfad bis zur Gartenstraße mit "b9, 18, 56, 9b, 56, 18, b9". Man muss damit rechnen, dass ein solch langer Trace über hin und zurück 7 hops nicht heil durchkommt, mehrere trace-Versuche können nötig sein. Damit solch ein Versuch gelingt, muss jeder der beteiligten Repeater darauf warten, einzig und allein meinen Trace transportieren zu dürfen. Bei wichtigen Repeatern einer Stadt ist das unwahrscheinlich, dass er so unterbeschäftigt ist. Wenn man weiss, wie gering die Sendeleistung ist, dass die Sendezeiten in diesem Funkstandard zeitlich beschränkt sind, dass ingesamt eine Luftlinie-Entfernung von 22km besteht und der Empfang zwischen Häuserschluchten funktechnisch sowieso immer ein Problem darstellt, und dass die Zahl an Meshcore-Nutzer*innen, die die wenigen lauten Repeater einer Stadt nutzen, zunimmt, dann ist diese Holperigkeit zu verschmerzen. Es gilt aber auch: Eine Nachricht nur einmal zu einem Empfänger in die Gartenstraße hin zu transportieren bedeutet, dass ungefähr nur die Hälfte der Kette für den Moment des Hintransports halten muss, was die Wahrscheinlichkeit der Ankunft einer Nachricht schon mal verbessert. Und zugleich lernt man bei ernsthafter Anwendung, dass eine gelingende Kommunkation, vom Sender initiiert, drauf angewiesen ist, dass ein "ok, hab empfangen" vom Empfänger zurück geschickt werden kann.


Abb. 15: Konfiguration von 4 Geräten
Weihnachtsgeschenke für Freunde

Wenn man mit der Zeit die funktionierenden Standard-Pfade zu seinen Kommunikationspartnern kennt, dann sollte man sie in diesen 2-Buchstaben-Notationssequenzen in den Nutzer-Einträgen unter Contacts so auch eintragen. Allerdings gibt es in "Settings" unter "Messing Settings" die Option "Auto Reset Path". Wenn man dort ein Häkchen stzt, dann werden diese von Hand gesetzten Pfadangaben in den Fällen überschrieben, in denen die Zustellung einer Nachricht 5 Mal fehlschlug und durch Flooding ersetzt. Flooding ist flexibel, aber es werden dann nur 3 Versuche der Zustellung einer Nachricht gemacht. Ich habe das Häkchen hier nicht gesetzt, denn bei "heiklen Langstrecken" habe ich beobachtet, dass von Hand gesetzte Pfade und 5 Versuche zu besseren Erfolgen bei der Zustellung führen als Flooding.

Unter "Settings/Notification Settings" kann man einstellen, ob man vom Handy im Falle neuer Meshcore-Nachrichten benachrichtigt werden möchte. Klar, beim Eintreffen von Nachrichten an mich als Nutzer*in will ich das in der Regel, so wie bei anderen Messengern auch. Allerdings sollte man überlegen, ob man auch bei jeder Channel-Nachricht benachrichtigt werden möchte, was bei "Public"-Nachrichten im städtischen Umfeld meist nur am Beginn der Beschäftigung interessant ist. Bei ernsthafter Nutzung von Meshcore tatsächlich anhaltend interessant können Nachrichten sein, die in "rooms" (Mailboxen) hinterlegt werden, in denen man selbst beretis eine Nachricht hinterlegt hat. (Die Nutzung von Mailboxen leuchtet mir ansonsten in der gegenwärtigen Umsetzung wie schon gesagt nicht so richtig ein; offenbar darf darin jede/r Nutzer*in Nachrichten beliebiger anderer Nutzer*innen voraussetzungslos löschen, was irgendwie nicht sein sollte. Es gilt, die Entwicklung der Mailbox-Option im Blick zu behalten.)

Ich gucke gern mal in die Logdaten, in denen mitgeschrieben wird, was in meinem Funkgerät alles passiert, was einem nicht angezeigt wird. Vorsicht: Verlässt man die App, werden diese Logdaten gelöscht. Man kann in diesen Logdaten bspw. erkennen, über welche Repeater Nachrichten weitergeleitet wurden (Logdaten: Drei Punkte rechts oben antippen, dann "Tools", dann "Rx Log"). Meshcore-Nachrichten verlieren mit jedem Weiterreichen an Qualität, die wesentliche Qualität eines Funksignals ist der Signal-Rauschabstand, SNR, wobei ein SNR von 0 bedeutet, dass das Signal und das Rauschen etwa gleich deutlich sind. Signale dürfen so zwischen -13dB und +13dB liegen, um in Texte verwandelt werden zu können. Bei den traces werden diese Messwerte ausgegeben.

Zuletzt noch ein Plädoyer für den Betrieb eines gut erreichbaren Repeaters. Wenn man bereit ist, ca. 150€ auszugeben und über einen guten Standort verfügt - d.h.: je höher und unverstellter, desto besser - dann könnte man bspw. den "Seeed Studio SenseCAP Solar Node P1-Pro" installieren und als Repeater betreiben, der Dank eines kleinen Photovoltaik-Panel und 4 Akkus vom Typ 18650 (mit Polspitze!) autark funktioniert. Ab und an etwas Fernwartung, das war es an Versorgung und Pflege für einen Repeater. Oder man vergisst ihn einfach; dezent montiert auf einem Hochstand für Jäger*innen am Feldesrand in funkstrategisch hervorragender Lage einer Anhöhe mit weitem Blick übers Land. Man kann generell durchaus die Billigversion des P1 ohne GPS nehmen; wenn man bei lokalem Betrieb die Positionsdaten des Repeaters einmal von Hand einträgt. Bis zu dieser Ausbaustufe bekommt man das Ensemble auch schon für unter 100€, mit einer kleinen Antenne. Wenn man eine stabilere Antenne montieren möchte, kämen noch mal rund 50 Euro dazu.

Es gäbe noch einiges mehr anzusprechen. Stattdessen zu dem "Konkurrenzprojekt" Meshtastic noch ein Wort: Ich war mit Meshtastic, nach einem Artikel in der Septemberausgabe der CT 2025, gestartet. Die Anfänge waren vielversprechend, Nutzergeräte die zugleich Repeater sind, fand ich konzeptionell pfiffig. Allerdings war es über einige Wochen nicht möglich, einen mir wichtigen Nachrichtentransport umzusetzen, was nach einem Test mit Meshcore zwar nicht auf Anhieb, aber etwas später gelang. Inzwischen denke ich, dass im Zweifel Ruhe (= nur begrenzte Zahl von Repeatern, meshcore) mehr Resilienz verspricht als Lautstärke (möglichst viele Repeater, meshtastic). Das ist keine Glaubenssache, sondern lässt sich beforschen, nur habe ich noch keine Studie dazu gefunden. Es ist jedenfalls sehr gut möglich dass ich mich irre, einige Diskussionen dazu lassen Skaleneffekte vermuten. Es können beide Netze gut nebeneinander bestehen, was wiederum die Resilienz der von Bürger*innen selbst organisierten Netzinfrastrukturen insgesamt steigert, geht die eine kaputt, gibt es noch die andere.

Fazit: Es handelt sich bei Meshcore, den Funkgeräten und der App, nicht um ein Consumer-Produkt; man muss sich damit, wenn es verlässlich funktionieren soll, schon ein wenig beschäftigen. Aber ein (Lora-)Nerd muss man dafür nicht mehr sein.